Als die Ruderer in die Kirche flüchteten
Kristallklares Wasser, abwechslungsreiche Touren, gutes Essen und eine Portion Abenteuer. Genau das erlebten zwölf Ruderinnen und Ruderer des Mannheimer Ruder Clubs bei ihrer Wanderfahrt an den Bodensee. Von einem ungeplanten Kirchenbesuch ganz zu schweigen.
Bereits am Donnerstagabend machte sich die Gruppe mit Vereinsbus und Begleitfahrzeug auf den Weg nach Radolfzell. Ein besonderer Komfort waren die Leihboote des Ruderclubs Undine Radolfzell, die wir aus der Halle frei nutzen durften. Dadurch konnten die Touren flexibel und ohne zusätzlichen Landdienst vor Ort geplant werden. Für drei Nächte wurde das direkt am Seeufer gelegene Bootshaus zum Zuhause auf Zeit. Geschlafen wurde auf Isomatten im Clubraum oder unter freiem Himmel mit Blick auf den Bodensee. Mit viel Liebe bereiteten die Teilnehmenden jeden Morgen gemeinsam ein Frühstück zu, das in Auswahl und Qualität problemlos mit einem Hotel mithalten konnte. Direkt am Seeufer ließ sich der Tag kaum schöner beginnen.
Für Freitag war eigentlich eine Umrundung der Insel Reichenau geplant. Aufgrund des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands war die schmale Durchfahrt jedoch nicht passierbar, sodass die Route kurzerhand angepasst wurde. Stattdessen führte die Tagestour über rund 38 Kilometer bis nach Konstanz. Die Strecke verlief zunächst über den Untersee zur Insel Reichenau und weiter durch den Seerhein Richtung Konstanz. Kurz hinter Gottlieben führte die Route außerdem ein Stück über Schweizer Hoheitsgewässer. Eine internationale Wanderfahrt also inklusive.
Im Vorfeld hatten die Radolfzeller Gastgeber vor der Strömung des Seerheins gewarnt. Für uns Mannheimer Rheinruderer fühlte sich diese allerdings eher wie eine höfliche Empfehlung des Wassers an. Wer täglich auf dem Rhein unterwegs ist, sucht am Bodensee die Strömung eher mit der Lupe als mit dem Ruderblatt.
Nach dem Anlegen beim Ruderverein Neptun Konstanz stärkte sich die Gruppe im nahegelegenen Wirtshaus. Anschließend blieb noch Zeit für einen Spaziergang an der wunderschönen Seepromenade mit Blick bis zu den Alpen. Auf dem Rückweg sorgte plötzlich die blinkende Sturmwarnung am Ufer für eine ungeplante Pause auf der Insel Reichenau. Während zu Hause in der Signal Gruppe bereits darüber spekuliert wurde, ob vor lauter Essensbildern überhaupt noch gerudert würde, nutzten die Mannheimer die Gelegenheit ganz pragmatisch für eine Runde Eis.

Nach Aufhebung der Warnung wartete noch einmal die rund dreieinhalb Kilometer lange Querung des offenen Untersees. Wind und Wellen hatten inzwischen deutlich zugelegt. Einige Brecher schwappten über die Bootswände und zeitweise fühlte sich der Bodensee eher wie der wilde Atlantik an. Anspruchsvoll, aber jederzeit sicher beherrschbar, erreichten alle Boote schließlich wieder Radolfzell. Der Tag klang bei einem gemeinsamen Abendessen beim Italiener gemütlich aus.


Der Samstag begann zunächst bewölkt, doch schon bald zeigte sich der Bodensee von seiner schönsten Seite. Wo am Vortag noch Wellen standen, präsentierte sich das Wasser nun spiegelglatt. Die Querung zur Insel Reichenau wurde dadurch zum entspannten Genuss. Das seichte, glasklare Wasser ließ beinahe Karibikflair aufkommen. Am Reichenauer Strandbad durfte natürlich ein ausgiebiger Badestopp mit anschließenden Pommes nicht fehlen.
Am Nachmittag kündigten dunkle Wolken und auffrischender Wind ein Gewitter an. Kurzerhand legte die Gruppe in Allensbach an und suchte Schutz in der nahegelegenen Kirche. Selten dürfte eine komplette Rudergruppe so schnell den Weg in ein Gotteshaus gefunden haben. Der Herr hatte dann auch ein Nachsehen und belohnte uns nach dem Regen direkt wieder mit strahlender Sonne. Zur Unterhaltung der zahlreichen Zuschauer wurden die Boote erneut eingewassert, bevor die Ausfahrt aus dem Hafen von lautstarken Wikinger Rufen der Allensbacher Rentner begleitet wurde. Eine Verabschiedung, die man auf einer Wanderfahrt auch nicht alle Tage erlebt.
Über den inzwischen spiegelglatten See ging es zurück nach Radolfzell. Dort wartete ein letzter Sprung ins glasklare Wasser, bevor der Tag bei einem gemeinsamen Abendessen in einem arabischen Restaurant in der Altstadt seinen gemütlichen Abschluss fand.
Der Sonntag sollte eigentlich noch eine Abschlusstour in den Markelfinger Winkel bringen. Die Wettervorhersage machte diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Mit gemischten Gefühlen trat die Gruppe die Heimreise an, denn nach drei Nächten auf der Isomatte freuten sich schließlich doch alle auf das eigene Bett.
Mit insgesamt 58 geruderten Kilometern, zwei völlig unterschiedlichen Rudertagen und vielen gemeinsamen Erlebnissen bleibt die Bodenseefahrt 2026 in bester Erinnerung. Der Freitag zeigte den Bodensee rau und herausfordernd, der Samstag ruhig und beinahe mediterran. Gerade diese Gegensätze machten den besonderen Reiz der Wanderfahrt aus.
Ein herzlicher Dank gilt dem Ruderclub Undine Radolfzell für die Gastfreundschaft, die unkomplizierte Bereitstellung der Boote und die vielen hilfreichen Tipps zu den schönsten Touren rund um den Untersee.
Autor: Jakob & Luisa, Wanderruderwarte
📸 Fotos: Zahlreiche Eindrücke der MRC Teilnehmenden
Datum:
Mannheimer Ruder-Club von 1875 e.V.